Diskussion um neuen Hahnplatz in Prüm: Ein grauer Star – oder ein rotes Tuch

Grafik
Hahnplatz heute: Menschen, Bäume, Stufen. Am rechten Bildrand war früher die Toilettenanlage. Foto: TV/Fritz-Peter Linden

Prüm Der Prümer Hahnplatz ist gemacht und endlich auch befreit von allen Absperrungen. Schon regt sich aber auch Kritik an seiner Gestaltung.

Hahnplatz früher: der öffentliche Toilettenbunker

Der Hahnplatz ist fertig, sieht aus wie in den Entwürfen, mit denen Maik Böhmer und sein Büro „Planorama“ den Architektenwettbewerb gewannen – und doch: Viele sind unzufrieden. Was wird kritisiert? Basilikaführerin und Stadträtin Monika Rolef (Führungen übrigens jeden Sonntag um 11.30 Uhr) hat schon so allerhand gehört: Es seien zu viele Treppen, zu wenig Grün, zu wenige Blumen, insgesamt „zu grau alles“, so laute der Tenor.

Das liegt nicht zuletzt am dominierenden Steinpflaster auf dem Platz. Seit die Absperrungen fort seien, schaue man „auf eine graue Ödnis“, schreibt zum Beispiel auch Anna Peters aus Bleialf. „Eine trostlose, leblose Steinwüste“. Das hätte gar nicht sein müssen: „Ich hätte mit bunten Steinen das Grau unterbrochen“, ergänzt sie am Telefon. „Es muss ja nicht unbedingt ein Porphyr aus Bozen sein.“

Die Versiegelung der Flächen treibt auch andere um, denen jetzt Landeplätze für Insekten fehlen.

Ist das alles also misslungen? Haben die Kritiker recht? Da hilft zunächst vielleicht ein klärender Blick zurück, anhand von zwei prägenden Elementen des neuen Platzes. Und der zeigt, dass die Gestaltung auch mit dem Willen der Prümer zu tun hat.

Beispiel 1: Der Kreisverkehr. Der ist groß und, ja, grau, zumal er in der Mitte nicht bepflanzt werden darf. Der Grund: Bundesstraße. Und Ausweichstrecke für den Fall, dass etwa auf der B 51 wieder etwas passiert. Dann knattert alles durch die Innenstadt, auch der Schwerlastverkehr. Der unter Umständen mitten über den Kreisel rollen muss, wenn es zu eng wird.

Den Kreisverkehr wollten die Prümer aber unbedingt: Als die Stadt vor acht Jahren die andere Variante – Einbahnstraße rundherum, mit Parkmöglichkeit am rechten Fahrbahnrand – erprobte, musste dieser Test vorzeitig abgebrochen werden: So groß war der Aufschrei dagegen. Nein, der Kringel sollte es sein.

Beispiel 2: die Parkplätze. Als Planer Maik Böhmer davon ein paar streichen wollte, folgte der nächste Furor: bloß nicht! Also plante er wieder welche dazu. Und die sind nun einmal: grau. Und versiegeln Flächen, die man auch anders hätte gestalten können.

Apropos Parkplätze: Für Behinderte ist unterhalb der Terrasse am oberen Platz, vor dem „Goldenen Stern“ und dem „Stella d’Oro“ eine Fläche ausgewiesen. Die kann aber an schönen Tagen kaum ein beeinträchtigter Mensch nutzen, weil dort permanent Motorräder parken.

Der obere Hahnplatz übrigens ist jetzt üppiger bepflanzt als früher. Nur eben in eher dunklen Farben. Wenn es denn unbedingt sein soll: Das wäre vielleicht ein Ansatzpunkt, etwas zu ändern.

Auch auf Facebook war der Platz schon Teil der Debatte um zuviel Grau in den Innenstädten. Diese entzündete sich vor allem auch am ebenfalls neuen Bitburger Petersplatz. So äußert eine Leserin aus Bitburg auf unserer Facebook-Seite die Befürchtung: „Alles nur noch grau wie in Prüm – nicht sehr einladend für den Tourismus“. Ein anderer Nutzer vergleicht die beiden neuen Plätze mit den Worten: „Genau wie in Prüm der neue Hahnplatz – einfach grau-sam.“ Wieder ein anderer spricht von einer „Steinwüste“ und erklärt den Petersplatz in Bitburg zum „kleinen Hahnplatz“.

Ganz anders die Prümer Bürgerin, die zwar ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, sich aber dennoch vom Hahnplatz an ähnliche Anlagen in Italien erinnert fühlt: „Das hat richtig Flair“, sagt sie und findet die neue Atmosphäre dort klasse. Nur „ein paar Ruhebänke mehr“ könnten es vielleicht noch sein.

Noch einer, der den Platz gut findet, ist Christoph Mancke, der Bildhauer aus Lünebach. Der Hahnplatz? „Europäische Spitze“, lautet sein Urteil. Viele hätten noch gar nicht bemerkt,was für ein Geschenk das sei und „durch die hervorragende Materialwahl absolut langlebig“.

Hahnplatz früher: Treppe, Betonmauer, Passanten … Foto: Linden Fritz-Peter

… und der Hahnplatz heute, gleicher Standort wie im Bild links. Foto: Fritz-Peter Linden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Außerdem stünden dort ja Bäume – die 20 Kirschen – die zudem nicht den Blick auf die Basilika verstellten.
An Mancke nagt nur ein Gedanke: Dass man den Platz, aus Panik vor so viel freier Fläche, jetzt mit allerlei Kitsch „zumüllen“ werde.
Nicht nötig – finden unterdessen viele Besucher, sagt Monika Rolef: „Klar, hier und da wird auch gemault. Aber ich kann vor allem sagen, dass auch vielen Fremden der Platz gefällt. Im Großen und Ganzen wird er gelobt.“

© volksfreund.de | Fritz-Peter Linden – Alle Rechte vorbehalten