Reste von alter Lederfabrik aufgetaucht: Archäologen müssen Untersuchungen an der Spitzmühle vorläufig ruhen lassen

(Trier) Archäologen und Autofahrer schauen an der Spitzmühle in Trier in die Röhre. Die Untersuchungen des geschichtsträchtigen Terrains ruhen nach dem Fund von Altlasten der früheren Lederfabrik. Der Parkplatz bleibt derweil gesperrt.

Spitzmuehle

Foto: Roland Morgen

Immer wieder steuern ahnungslose Autofahrer die Spitzmühle an der Metzer Allee an. 115 Stellplätze stehen dort normalerweise zur Verfügung – eine gute Sache für Touristen oder Leute, die zum Shoppen nach Trier kommen.

Die Fußgängerzone ist nur knapp einen Kilometer entfernt, Amphitheater und Kaiserthermen liegen ganz in der Nähe. Doch der Parkplatz ist gesperrt und wird es noch eine ganze Weile bleiben.

Anlass: archäologische Untersuchungen. Experten des Rheinischen Landesmuseums sollen das Terrain, das als ein Standort für die neue Hauptwache der Berufsfeuerwehr im Gespräch ist, auf Hinterlassenschaften aus der Antike prüfen.

Die Grabung auf zwei Referenzflächen von je 100 Quadratmetern Größe soll Aufschluss darüber bringen, ob sich der auf der anderen Seite der Metzer Allee nachgewiesene treverisch-römische Tempelbezirk bis hierher erstreckte. Falls ja, dürfte der Feuerwache-Neubau an dieser Stelle kein Thema mehr sein. Die mit großer Spannung erwartete Antwort lässt auf sich warten. “Wir haben an der Spitzmühle gerade Zwangspause”, sagt Stadtarchäologe Joachim Hupe.

Den Grund nennt die Stadtverwaltung auf TV-Anfrage: “Bei den Aushubarbeiten sind Altlasten der ehemaligen Gerberei entdeckt und daraufhin die Grabungen unterbrochen worden”, erklärt Rathaus-Pressesprecher Ralf Frühauf.

Lederfabrik 1970 abgerissen

Die Hinterlassenschaften stammen von der seit dem späten 19. Jahrhundert bis zum Abriss um 1970 betriebenen Lederfabrik Hermann Simon. Sie würden derzeit in Labors untersucht, ebenso werde momentan “das weitere Verfahren in Bezug auf die Altlasten abgestimmt”. Mit der Wiederaufnahme der Grabungen sei frühestens Anfang Oktober zu rechnen.

Was für Hupe “kein Beinbruch” ist. Die Landesmuseums-Archäologen tummeln sich momentan auf drei großen Grabungen im Stadtgebiet: “Wir haben keinen Arbeitsmangel. Aber natürlich interessiert uns brennend, ob wir an der Spitzmühle fündig werden in Sachen Tempelbezirk.”

Denn der war einst das größte Kultstätten-Areal nördlich der Alpen mit möglicherweise bis zu 500 Minitempeln und Priesterhäusern.

Parkplatzsucher wird das wenig trösten, denn nach Lage der Dinge dürfte die Spitzmühle wohl erst Anfang 2016 wieder zur Verfügung stehen. Der Platz werde komplett als Lagerfläche für Aushub und Baumaschinen benötigt.
Für die Stadt werden die Untersuchungen indes immer kostspieliger. Zwar ist der finanzielle Aufwand momentan noch überschaubar: Laut Pressesprecher Frühauf sind für einen zusätzlichen (externen) Grabungstechniker, der das vom Landesmuseum auf eigene Kosten gestellte Team verstärkt, 10 000 Euro eingeplant.

Die Miete für Bauwagen und -container belaufen sich auf 2000 Euro. Die Gesamtkosten für Erdarbeiten, Schadstoffanalyse und möglicherweise Entsorgung könnten aber erst beziffert werden, “wenn die Altlastensituation abschließend bewertet ist”.

Abgesehen davon gehen der Stadt Tag für Tag mehrere Hundert Euro an Parkgebühren durch die Lappen.

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