Das Ende zweier unendlicher Geschichten

Ein Ministerauftritt bringt doppelten Grund zur Freude: Mit dem symbolischem Spatenstich hat Roger Lewentz das Startsignal zum Bau der Verlegung der B 422 in Ehrang gegeben. Außerdem hat der Mann aus Mainz zur großen Überraschung auch den heiß ersehnten Bewilligungsbescheid für den Ausbau der Loebstraße dabei.

 

Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani und OB Klaus Jensen (rechts) können’s kaum glauben: Minister Roger Lewentz hat den Bewilligungsbescheid für den Loebstraßen-Ausbau mitgebracht. TV-Foto: Friedmann Vetter
Trier-Ehrang. Die älteren der rund 100 Gäste des Spatenstichs auf dem Ehranger Mühlengelände können sich noch vage an die Anfänge des Projekts erinnern. “Es war 1965, da kam mein Vater Josef nach Hause und sagte, es würden zwei Umgehungsstraßen gebaut: Die neue Biewerer B 53 und die Verlegung der B 422 aus dem Ortskern heraus”, berichtet das Ehranger CDU-Stadtratsmitglied Berti Adams (60).

Erste Überlegung vor 50 Jahren

Und sechs Jahre später schien es dann tatsächlich ernst zu werden:”1971 haben Vertreter der Stadt im Jugendheim den Bau der Umgehung Ehrang angekündigt”, erinnert sich Manfred Moll (75).

Dass die Big Band des Friedrich-Spee-Gymnasiums (FSG) zur Spatenstich-Veranstaltung unter anderem “Imagine” von John Lennon spielt, ist – wohl unbeabsichtigte – Ironie: Das Stück von 1971 (!) handelt von einer utopischen Welt. 43 Jahre später steht immerhin die Ehranger Utopie kurz davor, Realität zu werden. Ortsvorsteher Günther Merzkirch zeigt sich “sehr froh: Ich bin seit 20 Jahren im Ortsbeirat und seit 15 Jahren Ortsvorsteher. Die Umgehung war stets ein Hauptthema für uns.”

Dass bis zum Baubeginn so viel Wasser die Kyll hinunterfloss, liegt nicht allein am Geldmangel. Erst 1981 taucht die Umgehung im Flächennutzungsplan auf. Grundstücke wurden gekauft, Trassen geplant und verworfen, als erste vorbereitende Maßnahme 2003 die abgebrannte alte Blumenfabrik abgerissen. Verkehrs- und Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) mag nun auch “nicht so recht verstehen, warum wir erst heute hier stehen” und tröstet mit einem Bonmot von Leo Tolstoi: “Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann.”

Und nun: “Ein Tag der Freude! Nicht nur nicht für Trier – auch für das Umland”, befindet OB Klaus Jensen. Auch Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani freut sich: “Jetzt wird nicht mehr der komplette Ehranger Ortsbeirat bei mir auf der Matte stehen und darauf drängen, dass es endlich losgeht”, meint sie augenzwinkernd.

Das 7,9 Millionen Euro kostende Projekt (3,4 Millionen zahlt die Stadt) umfasst drei Bauabschnitte. Den Auftrag für die beiden ersten – Verlegung des Mühlengrabens, Straßenbau von Kyllstraße (Anbindung per Kreisverkehr) bis Turbinenhaus – hat die Firma Christoph Schnorpfeil (Trier) erhalten. Abschnitt Nummer drei – Straßenbau Turbinenhaus bis Friedhofstraße – wird im April ausgeschrieben.

In etwa zwei Jahren, wenn auch der neue Kyll-Überbau da ist, soll der Durchgangsverkehr von und nach Kordel nicht mehr durch den engen und arg strapazierten Ortskern kurven, sondern über die 650 Meter lange Umgehung rollen. Die werde, so kündigt Baudezernentin Kaes-Torchiani an, mit 35 Bäumen begrünt werden und vier Querungshilfen erhalten.

 

Extra

Druchbruch für das Loebstraßen-Projekt: Mit dem Bewilligungsbescheid in Höhe von einer Million Euro für den ersten von vier Abschnitten “rückt der Ausbau endlich in greifbare Nähe”, betont Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani. Die Pläne seien längst fertig, nun könnte die Ausschreibung vorbereitet werden. Ziel sei es den Ausbau noch 2014 zu starten. Der erste Abschnitt sieht den Ausbau der 1,5 Kilometer langen Loebstraße (Trier-Nord) ab Pfalzeler Brücke bis Höhe Firma Natus (580 Meter) und die Herrstellung von Gehwegen vor. Die Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes Loeb-/Ohmstraße wird durch einen Linksabbiegestreifen verbessert. Außerdem werden die Bushaltestellen neu geordnet und barrierefrei gestaltet sowie ein neuer Radweg für beide Fahrtrichtungen angelegt. 2007 hatte Mainz schon einmal die Förderung des Loebstraßen-Ausbaus zugesagt, der aber dann durch Anlieger-Einsprüche verhindert wurde. Die neue Förderung entspricht dem prozentualen Anteil von vor sieben Jahren. Es bleibt bei Anliegerbeiträgen von 40 Prozent. Der Gesamtausbau dürfte rund 4,5 Millionen Euro kosten. rm

 

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