Ab 2019 rumpelfreie Fahrt über die Loebstraße

(Trier-Nord) Darauf haben Trierer und Ruwertaler lange gewartet: Der Neubau der Loebstraße in Trier-Nord startet Anfang März – sechseinhalb Jahre nach dem ursprünglichen Baubeschluss. Beim symbolischen Spatenstich zum ersten der drei Bauabschnitte zeigten sich die Fachleute zuversichtlich, dass ab 2019 die “Buckelpiste” endgültig Vergangenheit ist.

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Trier-Nord. Es war am 26 . August 2008, als der Trierer Stadtrat beschloss, dem erbärmlichen Zustand der Loebstraße ein Ende zu setzen. Drei Tage nach diesem Ausbaubeschluss stellte die Stadtverwaltung den Zuschussantrag ans Land, den Mainz am 3. November gleichen Jahres bewilligte. Wenn alles gut gelaufen wäre, dann wäre das Thema Loebstraße längst abgehakt.

Es lief aber mitnichten gut, wie OB Klaus Jensen bei der Feier am Freitagnachmittag im Tagungszentrum der Handwerkskammer in Erinnerung rief. Anlieger brachten mit Einsprüchen das Projekt zu Fall, und der Bewilligungsbescheid erlosch nach zwei Jahren, weil kein Baubeginn in Sicht war.
Und so kamen die rund 80 Festgäste am Freitag nicht zusammen, um etwa einen verspäteten Abschluss des Loebstraßen-Projekts zu feiern, sondern erst seinen Anfang. Dass es mit sechseinhalbjähriger Verspätung nun endlich losgeht, ist laut OB Jensen “ein Grund zur Freude für die Trierer und die Ruwertaler”, denen die zwischen Gewerbegebiet Trier-Nord und der A 602 verlaufende Loebstraße (L 145) eine außerordentlich wichtige Verkehrsader ist. 12 000 Fahrzeuge sind hier täglich unterwegs, sieben Prozent davon Schwerlastverkehr.
Stadtoberhaupt Jensen und Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani waren sich zu Beginn ihrer Amtszeiten im Frühjahr 2007 einig gewesen: Die Erneuerung der maroden Loebstraße hatte absolute Priorität. Fast acht Jahre später zeigen sich beide froh, dass zum Ende ihrer Verwaltungslaufbahnen – Jensen verlässt das Rathaus Ende März, die Baudezernentin einen Monat später – wenigstens der erste von insgesamt drei Bauabschnitten “eingetütet” ist, nachdem das ganze Verfahren neu aufgerollt und ein eigener Bebauungsplan aufgestellt werden musste.
Neu gebaut wird die Loebstraße auf ihrer gesamten Länge von 1,4 Kilometern, wobei der Straßenquerschnitt neu gestaltet wird: Die Neuplanung sieht eine von 8,50 auf 6,50 Meter reduzierte Fahrbahnbreite vor. Auf der so gewonnenen Fläche entsteht ein Zweirichtungsradweg, der die Radwegelücke zwischen Verteilerkreis Nord und der Pfalzeler Brücke schließt.
Bauabschnitt eins zwischen Schaltanlagen-Herstellerfirma Natus und der Pfalzeler Brücke ist 580 Meter lang und mit zwei Millionen Euro veranschlagt. Die Hälfte zahlt das Land, 850 000 Euro entfallen auf die Stadt Trier, und 125 000 Euro sind Ausbaubeiträge.
Als Hauptunternehmer fungiert eine Arbeitsgemeinschaft aus den Trierer Firmen Christian Schnorpfeil und HK Köhler Straßenbau. Dezernentin Kaes-Torchiani zeigt sich zuversichtlich, dass Abschnitt eins bis März 2016 abgeschlossen ist: “Unsererseits sind die Bauleiter Eric Wolff und Eric Krischel mit im Boot, die 2012 schon die Verbreiterung des Nadelöhrs auf der B 51 fristgerecht hinbekommen haben.”

 

4,5 Millionen Euro Gesamtkosten

Der weitere Zeitplan ist noch nicht ganz klar. Laut Tiefbauamtschef Wolfgang van Bellen läuft bereits die Vorplanung für Bauabschnitt zwei. Wenn alles klappe, sei die Buckelpiste Loebstraße ab spätestens 2019 Vergangenheit. Die Gesamtkosten werden im Rathaus auf 4,5 Millionen Euro geschätzt. Jeder der drei Abschnitte wird während der Bauzeit voll gesperrt, Anlieger und Lieferverkehr können ihre Ziele aber erreichen. Der restliche Verkehr wird über Nachbarstraßen umgeleitet.
Die Stadtwerke Trier (SWT) nutzen das Straßenbauprojekt, um Versorgungsleitungen zu erneuern.

 

Meinung

2356 Tage

Siegmund Loeb (1859-1950) war ein bekannter Trierer Weinhändler, verdienter Stadtrat und langjähriger Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde Trier. Er hätte sich darüber gefreut, dass die Stadt, aus der er 1938 vor den Nazis geflohen war, 1958 eine Straße nach ihm benannte. Gewiss nicht gefreut hätte er sich über die Umstände und die Vorgeschichte des Neubaus dieser Straße. Es waren einige Anlieger, die keinen Radweg vor ihren Grundstückszufahrten wollen und somit das Loebstraßen-Projekt erst einmal kippten. Auch die Kommunalwahlen 2009 und zaghafte Ratmitglieder, die um ihre Wiederwahl fürchteten, spielten eine Rolle in der scheinbar unendlichen Geschichte. Die ist gestern zu Ende gegangen. 2356 Tage nach dem ersten Baubeschluss. r.morgen@volksfreund.de

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