Das Hadern mit den Quadern auf dem Prümer Hahnplatz

(Prüm) Der Stadtrat Prüm hat ein paar Bauvorhaben vorangebracht und sich den Fortgang der Arbeiten am Hahnplatz erläutern lassen. Aber auch die Verzögerungen. Und ein bisschen diskutiert – bis Johannes Reuschen etwas klarstellt.

3796439_1_IMG_6093.JPG.1-GO76R2KL8.1-ORG

Da sind sie, endlich – und werden auch gleich eingesetzt: die fast schon sagenumwobenen Steinblöcke für den oberen Hahnplatz. TV-Foto: Fritz-Peter Linden

 

Das Meiste ist schnell erledigt in der Sitzung des Stadtrats Prüm am Montagabend. Bis auf einen Punkt. Den sollte ursprünglich Hahnplatz-Planer Maik Böhmer bestreiten und den Fraktionen erläutern, was – und wie es – bei den Umbauten läuft.
Böhmer muss sich allerdings einer Operation unterziehen, daher vertritt ihn Thomas Lücke, ebenfalls vom Büro Planorama. Die Baustelle, sagt Lücke, sei “weiter fortgeschritten” – man sieht es unter anderem an den immer größeren Flächen, die inzwischen mit Natursteinpflaster bedeckt sind.

Und endlich sind auch die dicken Blöcke aus Vietnam herübergeschippert, die am oberen Hahnplatz die Terrassen-Etagen voneinander abgrenzen: Gerade werden die Quader gesetzt. Dieser Teil der Baustelle, samt Fuhrweg, der dort zum Kreisverkehr herunterverlängert wird, soll noch vor dem Winter fertig werden. Genauso wie die untere Hahnstraße, nachdem dort alle Hausanschlüsse erneuert sind: Bald kommt der Asphalt. Und auch der Kreisverkehr ist bereits seit Wochen fertig und befahrbar.

Allerdings sind da ja noch all die Verzögerungen: wegen der dann doch aufwendigeren Arbeiten an allerhand Versorgungsleitungen für Wasser und Kanal; wegen der historischen Funde im Hahnplatzboden; wegen der Pflastersteine, die so lange auf sich warten ließen (der TV berichtete etliche Male). Deshalb werde der untere Platz vor der Basilika wohl auch erst im Frühling fertig, sagt Lücke. Das Gleiche gelte für die Ritzstraße und die Kreuzung mit Hahn-, Spiegel- und Teichstraße.

Das Meiste nehmen die Fraktionen hin – so schicksalsergeben wie auch das Zwischenfazit von Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy (CDU) zum Zeitverzug: “Schön ist das nicht alles.” Allerdings hakt Bernd Weinbrenner (SPD) nach. Und will zunächst wissen, welche Mehrkosten die Grabungen verursacht hätten. Die aber kann Lücke noch nicht beziffern. Weil es sich aber um ein Projekt der Landesdenkmalpflege handle, werde wohl Mainz Kosten übernehmen.
Bis Ende des Jahres wollen die Archäologen am Hahnplatz fertig sein. Alles wird genau dokumentiert. Und ob später von den Resten etwas sichtbar bleibt, ob man Markierungen im Pflaster macht, Tafeln aufstellt oder die alten Mauern im Modell darstellt, muss der Rat zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

Weinbrenner lässt aber bei der Sache mit den Steinen durchklingen, dass hier mehr hätte getan werden müssen, um die Lieferungen voranzutreiben. Zumal der Aufschub, sagt Norbert Baur von der Prümer Bürgerbewegung (PBB) für die Geschäfte am oberen Platz mittlerweile unerträglich sei: “Es wird langsam eng.” Dort müsse jetzt zügig alles fertig werden. “Da kann von mir aus unten das (gemeint ist die Fläche vor der Basilika, Anm.) noch ein Jahr liegen.”
Den Gewerbetreibenden, sagt Weinbrenner, “geht nicht nur allmählich die Luft aus. Die wollen schließen, weil es einfach nicht weitergeht.” Und da sei es auch “an der Bauleitung”, etwas zu unternehmen.
Das betrifft Thomas Lücke und Maik Böhmer. Lückes Hinweis, dass weder Stadt noch Planer allzu viel Einfluss darauf hätten, welche Verträge und Terminabsprachen die Firma Schnorpfeil mit ihren vietnamesischen Partnern habe, fruchtet nicht so richtig.

Und auch nicht der Hinweis der Stadtbürgermeisterin, dass auch andere Dinge (die Versorgungsleitungen etwa) zur Verzögerung beigetragen hätten. Trotzdem appelliert sie an den Rat – und die Bürger: “Unser Bestreben muss es sein, dass wir durchhalten. Und mit Wohlwollen und ein bisschen Druck dafür sorgen, dass wir fertig werden.”
So schaukeln sie sich noch ein bisschen weiter hoch. Bis Johannes Reuschen, ebenfalls PBB, das Wort ergreift und die Planer in Schutz nimmt: Es sei eben nicht wie bei einem privaten Bauvorhaben, sagt er zu Bernd Weinbrenner, wo man erheblich mehr entscheiden könne. “Wir sind hier als öffentlicher Bauträger ein zahnloser Tiger.”
Dabei habe man mit dem Planungsbüro von Maik Böhmer “absolutes Glück gehabt”. Und werde außerordentlich gut betreut, das kenne er auch anders. “Ich bin beeindruckt davon, wie vehement und akribisch hier gearbeitet und Buch geführt wird”, sagt Johannes Reuschen. Mehr könne man gar nicht machen, “als diese Menschen hier leisten”. Damit kriegt er sie: Applaus aus allen Reihen – und die Diskussion ist beendet. Zumindest für heute.

Meinung: Es wird eng
Ja, es wird eng. Die Baustelle ist im zweiten Jahr, und sie wird den Prümern auch über diesen Winter hinaus erhalten bleiben. Aber, auch wenn es immer wieder kolportiert wird: Stadt und Planer können daran gar nichts machen. Und es geht ja voran – auch wenn manch einer das partout nicht sehen will. Alle wussten: Es wird hart. Deshalb stand der Rat von Anfang an zusammen, um die Bürger für das Riesenprojekt und die Probleme zu wappnen. Wenn er sich jetzt in Scharmützeln und Schuldzuweisungen verliert, bröckelt die Front.

Extra: MEHR AUS DEM RAT

Die Sitzbänke für den neuen Hahnplatz werden bei den Westeifel-Werken gefertigt. Das beschloss der Rat ebenso wie Änderungen im Bebauungsplan: Etwa in der Kalkstraße, in der die Gebrüder Baltes ein Wohn- und Geschäftshaus errichten wollen (der TV berichtete). Am Roten Sandberg liegen ebenfalls Flächen, die bebaut werden können. Weil dort jemand bereits ein Haus plant und das auch auf den anderen Grundstücken möglich sein soll, beschloss der Rat, einen Bebauungsplan aufzustellen. Außerdem legte man eine Prioritätenliste für den Ausbau weiterer Straßen fest, auch wenn die Stadtbürgermeisterin darauf hinwies, dass damit vermutlich erst in zwei Jahren begonnen werden kann. Den Anfang machen Lenzbrück, Burgring, Tannenweg und Waldstraße. Auch in den Stadtteilen wurden Straßen aufgelistet, in Dausfeld unter anderem Hunsrückstraße, Taunus- und Spessartweg und in Weinsfeld die Neustraße.

© volksfreund.de |Fritz-Peter Linden – Alle Rechte vorbehalten